Zielbewuste Züchtung
 

 

Daß der Mensch den Haustieren gewisse Eigenschaften anzuzüchten und diese nach seinem Willen zu verändern vermag, beruht auf dem Gesetz der Vererbung, nach dem jedes Tier in sich die Fähigkeiten besitzt, seine Eigenschaften auf seine Nachkommen zu übertragen.

Fest steht jedoch, von niederen Tiergattungen abgesehen, daß stets zwei Lebewesen, ein männliches und ein weibliches, sich geschlechtlich verbinden müssen, um ein neues Lebewesen hervorzubringen. Weil beide Elterntiere nie völlig gleich sind, so wird das neue Lebewesen einen Teil seiner Eigenschaften vom Vater, einen anderen Teil von seiner Mutter erhalten.

Dazu kommen noch Eigenschaften, die durch äußere Umstände hervorgerufen werden, die wir als zufällige Eigenschaften bezeichnen. Auf diese hat der Mensch bei der Züchtung nur einen geringen Einfluß, während es in seiner Macht steht, durch entsprechende Eltern­tiere Nachkommen hervorzubringen, auf die mit Wahrscheinlichkeit gewisse Eigenschaften der Elterntiere übergehen.

Je ähnlicher Vater und Mutter sich sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, das auch die Nachkommen ähnliche Eigenschaften zeigen. Ganz gleichen sich niemals zwei Lebewesen einander.

Früher galt der Grundsatz: "Gleiches mit gleichem gepaart gibt Gleiches" Heute hat dieser Satz eine bessere Fassung: "Ähnliches mit Ähnlichem gibt Ähnliches!"

Auf diesen zwei Grundsätzen beruht die Rassezucht bei allen Tierarten.

Den Begriff »Rasse« in unserem Sinne kennt die Naturwissenschaft nicht. Sie teilt die einzelnen Lebewesen nach gewissen gemeinsamen Merkmalen ein: in Reiche, Ordnungen, Familien, Gattungen und Arten,

Jedes Tier ist das Produkt der von den Vorfahren ererbten Eigenschaften und der Eigenschaften, die es sich durch Anpassung an äußere Verhältnisse erworben hat. Rassekennzeichen, Auslese, Ausbildung, Bewegung, Ernährung, angewölfte Eigenschaften usw.). Somit verändern sich die Rassen (in diesen die Fehler und guten Eigenschaften) im Laufe der Zeit durch äußere Einflüsse und insbesondere durch die eingreifende Hand des Menschen.

Weil die Tiere jedoch ihre Fehler wie ihre Vorzüge vererben, gilt als erster Grundsatz für die Züchtung, möglichst fehlerfreie Tiere. Da bei unseren Hunden einem männlichen Tier meistens mehrere weibliche Tiere beigegeben werden und das männliche Tier seine Eigenschaften auf alle Nachkommen überträgt, das weibliche Tier aber nur auf einen Teil, so muß von dem männlichen Tier vor allem verlangt werden, daß es möglichst frei von Fehlern, und zwar von ererbten Fehlern ist.

Zuchtmetoden

Unter Zuchtmethoden verstehen wir unter bestimmten Grundsätzen geregelte Auswahl der Tiere zur Paarung. Wir unterscheiden Inzucht und Kreuzung.

Inzucht im weitestem Sinne, auch Reinzucht genannt, ist die Paarung von Tieren der gleichen Rasse. Inzucht im weiteren Sinne ist die Paarung von Zuchttieren des gleichen, typisch gewordenen Stammes (jedoch nicht von nahe verwandten Tieren). Sie wird auch Stammzucht genannt.

Inzucht im engeren Sinne oder Familienzucht ist die Paarung von Tieren der gleichen Familie. Sie wird zur Inzestzucht, wenn man die nächsten Blutsverwandten in auf und absteigener Linie oder Geschwister miteinander paart.

Als Kreuzung bezeichnet man hingegen im landläufigen Sinne die Paarung von Zuchttieren verschie­dener Familien. Im engeren Sinne auch die Paarung von Zuchttieren verschiedener Stämme innerhalb der gleichen Rasse, wofür man auch den Ausdruck »Blutauffrischung« verwendet.

Die Inzucht

Bei der Inzucht werden also möglichst ähnliche Tiere miteinander gepaart. Die Ähnlichkeit steigert sich, je näher die Verwandtschaft der miteinander gepaarten Tiere ist. Sie hat weniger den Zweck, neues zu Schaffen, sondern den Sinn, vielmehr Eigenschaften zu erhalten und zu steigern. (So zum Beispiel dunkles Augen, Jagdliche Eigenschaften, Form usw) die sich bisher nur bei einzelnen Tieren einer Familie gezeigt haben, auf möglichst viele Tiere zu übertragen.

Bei naher Verwandschaft gelingt dieses am leichtesten. Jedoch werden im gleichen Grad wie die gewünschten Eigenschaften auch die unerwünschten Eigenschaften übertragen und gesteigert.

Wird die Verwandschaftszucht insbesondere die Inzestzucht, lange fortgesetzt, dann verkümmern die Tiere. Physische Schwäche, verändertes Wesen, Unfruchtbarkeit oder kümmern der Welpen sind unausbleibliche Folgen.Es können sich auch Erbkrankheiten oder PRA/Katarakt, Patelleluxation, Knickruten oder Vor oder Rückbiss, abgesetzte Brust und Karpfenrücken vererben.

Sobald bei der Inzucht ein zurück gehen der Leistung, oder Zuchtausschließende Fehler beobachtet werden, ist Blutauffrischung geboten.

Durch die Paarung zweier blutsverwandter Tiere mit den gleichen Fehlern, zeigt sich dieser bei der Nachkommenschaft in verstärktem Maße und wird hierdurch oft erst erkennbar oder tritt in erschreckender Weise plötzlich hervor.

Die Linienzucht

Ein Mittel, die Gefahren fortgesetzter Inzucht zu verringern, ist die Linienzucht. Man kann die Stammzucht mit einem Rüden und einer einzigen Hündin beginnen, obwohl dem Züchter vielfach mehrere gleichwertige Tiere zur Verfügung stehen. Voraussetzung ist aber, das die Ausgangstiere vollkommen gesund und kräftig sind und nicht nur den Typus ihrer Rasse in Vollkommenheit darstellen, sondern gerade die Eigenschaften in höchstem Maße besitzen, die der Züchter in seinem Stamm zu festigen bestrebt ist. Ferner dürfen die Ausgangstiere nicht Bluts verwand sein. Sie müssen vollständig Bluts fremd sein, also aus ganz fremden Zuchten kommen, damit unter den Nachkommen stets so viel Verschiedenheit des Blutes bestehen bleibt, als zur Aufrechterhaltung der Gesundheit und Kraft der Nachkommen nötig ist.

Das Studium der Ahnentafel, der Stammbücher, Besuch von Prüfungen und Schauen und Aufzeichnungen im Zwingerbuch sind wichtige Werkzeuge eines Züchters. Die mit Fehlern, vor allem mit erblichen Fehlern behaftete Tiere sind gänzlich von der Zucht auszuschließen. Weibliche und Männliche Tiere mit den gleichen, auch kleinsten Fehlern dürfen nicht in den Zuchtstamm kommen.

Zum Erfolgt gehört die Arbeit, aber auch ein Quentchen Glück benötigt jeder Züchter. Dieses Quentchen Glück wünsche ich allen Zuchtfreunden bei der Arbeit zum Wohle unseres schönen Hobbys, der Teckelzucht.

 

Reinhard Ebbecke (Vorsitzender und Zuchtwart Gruppe Einbeck e.V. im DTK) - Lüthorst, 18.02.07